Roland auf den spuren seines Engels


Diese Idee wollte ich schon lange verwirklichen, mir fehlte allerdings immer die Zeit dazu.

Jetzt wollte ich dieses Versprechen endlich einlösen, es sollte ein kleiner Dank an meinen Patron sein.

Natürlich hätte ihm auch ein mündliches „Dankeschön" gereicht, aber mir reichte es halt nicht.
Also überlegte ich zunächst, nach Würzburg zu fahren, wo ich ihn das erste Mal bewusst erkannt habe. Hinfahren, durch die Gassen ziehen und wieder nach Hause fahren...
Ich dachte dann aber weitere zwei Tage darüber nach, was ich sonst noch tun könnte, um meinen Dank zu zeigen.
Mir kam die Idee: ich fahre nach Pupping, in den Ort, in dem Patrone verstarb. Ich werde seinen letzten Weg verfolgen.
Mit dem Fahrrad.....

Patron: Roland du spinnst völlig, mit deinen 45, du bist doch kein Radprofi! Keine gute Idee.

Roland: Was? Ich find sie Weltklasse, so kann ich deinen Weg „hautnah" verfolgen.

Patron: Du wirst Tage brauchen vom Eferdinger Becken bis nach Regensburg.

Roland: Na und ? Ich nehme ein Zelt mit, einen Schlafsack und etwas zum Essen.

Patron: Besorge dir eine Karte, damit du zumindest aus Österreich wieder raus findest

Roland: Nein, ich brauche keine Karte und kein Navi.

Du bist mein Navi, zeige mir deinen letzten Weg... wo bist du an Land gegangen?

Wo bist du eingeschlafen? Wo bist du in Regensburg an Land gekommen...

das alles interessiert mich, Patrone und wer könnte mir das besser zeigen und erklären als du selbst?

Patron: Jetzt finde ich die Idee doch nicht so schlecht.

Roland: Sag ich doch- und ich habe 4 Tage mit dir alleine.

Patron: Damit ich danach mit meinen Nerven völlig am Ende bin, oder?

Roland: ich bin harmlos, wenn ich so weit strampeln muss mit dem Fahrrad

Patron: Das denkst du...

Roland: Was ?

Welch ein Spaß, dachte ich mir und besorgte alles, was ich brauchte: Zelt, Schlafsack, einen kleinen Kocher, Kaffeepulver (sehr wichtig), Shampoo etc etc.
Ich überlegte mir auch, eine Kamera mitzunehmen, um ein Videotagebuch zu führen. Ich entschloss mich, zum ersten Mal laut mit Patrone zu sprechen und, wenn ich mich mit ihm unterhalten würde, seine Worte sofort wiederzugeben.
Wie er mich lotst, was er mir erklärt, was er mir zeigt usw.
Mit dem Zug wollte ich nach Pupping fahren, um dort meine Reise zu beginnen. Die Fahrt und das Umsteigen mit dem Bike waren jedoch nicht so einfach, wie ich angenommen hatte. Darum entschloss ich mich, bis nach Passau zu fahren und von dort aus Richtung Pupping zu radeln. Noch 60 km drauf packen...ach, was soll's...
Ich beschloss, am Montag loszufahren und machte eine Testfahrt mit meinen 3 Rucksäcken + Ersatzakkus fürs Handy. Sie klappte problemlos. Ich nahm eh nur das Nötigste mit für diese Fahrt.
Montag, Tag 1

Abfahrt mit dem Zug um 5:43 Uhr.

Welch ein Spaß mit dem voll gepackten Fahrrad in einen Zug zu steigen- das alleine war schon ein Spektakel für sich. Während der vierstündigen Fahrt schossen mir 1000 Gedanken durch den Kopf: habe ich etwas vergessen? Was ist, wenn ich meinen Patron nicht höre vor Anstrengung beim radeln? Halte ich das überhaupt durch usw. usw. ...ich machte mir so viele Gedanken für nichts und wieder nichts, wie sich später herausstellte.

Um 14 Uhr kam ich in Passau an- jetzt wurde mir erst so richtig bewusst, was ich da vorhatte. Ich bin ehrlich, ich dachte echt daran, mir gleich die Rückfahrkarte zu kaufen und wieder heim zu fahren.

So, jetzt stand ich da in Passau auf dem Bahnhofsvorplatz...wohin nun?

In meinem Handy war zwar eine Karte, die mich hätte lotsen können, doch das war ja nicht der Sinn und Zweck meiner Reise.

So vertraute ich meinem „Gefühl". Von Patrone hörte ich noch nichts, wusste aber, dass er mich lenkt.
Immer geradeaus bis zum Fluss...

ich kam zum Inn, dem ich folgen musste bis er in die Donau mündet. Der Weg war super ausgebaut und ich hatte kaum Schwierigkeiten mit meinem ganzen Gepäck.
Nach 30 Minuten erreichte ich die österreichische Grenze, drehte mein erstes Video und schoss die ersten Bilder mit dem Handy. Ich habe sogar extra mein T- Shirt wieder angezogen, damit ich als Medium seriös wirke ;-)
Nach ca. 25 km legte ich meine erste Pause ein, das Thermometer am Tacho zeigte mittlerweile 22 Grad an. Ich setzte mich an die Donau, genoss die Aussicht und machte mich etwas später wieder auf den Weg.

In eine Seitentasche meiner Hose hatte ich mein Handy gesteckt- verdammt, nun war es weg...ich fuhr zurück zur Donau und suchte alles ab- nichts, verloren...verdammt noch mal...wie bescheuert kann man denn nur sein, sein Handy in die Hosentasche zu stecken. Meine Tagebuchvideos, meine Bilder...alles weg...na super.

Ich wollte echt umdrehen, so geladen war ich- das Gestrampel auf dem Bike zerrte schon an meinem Nervenkostüm und dann auch noch das Handy verloren- doch dann hörte ich eine vertraute Stimme, endlich, seit langem wieder nach dem ganzen Hickhack der letzten Zeit.
„Fahr ruhig weiter, ich bin an deiner Seite"...welch Balsam für meine Seele, ihn wieder zu hören und nicht „alleine" zu sein.
Zum Glück hatte ich ja noch ein zweites Handy dabei...
Auf ging's...weiter Richtung Pupping...ich fuhr immer an der Donau entlang, ohne große Steigungen, die ich eigentlich erwartet hatte. Bei der Donauschlinge änderte sich das allerdings.
Hier legte ich nach 36 km Fahrt eine größere Rast ein, auf Anraten meines Patrones.

Ich setzte mich auf eine Bank direkt am Fluss und genoss die Landschaft, Berge ringsherum und dazwischen die Donau mit Schiffen und Segelbooten. Ich war sehr entspannt. Nach 2 Litern Spezi und einem kleinen Snack forderte ich Patrone auf, weiterzuradeln. Ich wusste nicht, wie weit Pupping noch entfernt war und wollte keinesfalls mitten in der Nacht irgendwo mein Zelt aufschlagen.
Wir fuhren an einem idyllischen Hotel vorbei- jedoch als wir zwei Tennisplätze passiert hatten und ich die Hauptstrasse sah, traf mich fast der Schlag: es ging bergauf, so weit das Auge reichte. Ich schaffte einen km, dann musste ich absteigen und schob mein Fahrrad lieber in dieser Hitze.
Ich glaube, Patron hat sich auf den Gepäckträger gesetzt und die Aussicht genossen, während ich den Berg hinaufstampfte.
Ein Stück ging es dann leicht bergab und dann wieder ein wenig eben, bevor der nächste Anstieg kam. Jedesmal, wenn die Straße wieder anstieg, bekam ich Angstzustände...hoffentlich jagt mich Patrone nicht da rauf...
Immer wieder fragte ich ihn: wie weit ist es noch?

Keine Audienz, fahr einfach weiter....

Nach gefühlten 400 km kam ich in Hartkirchen an...hier wollte ich das zweite Mal aufgeben, ich konnte nicht mehr nach mittlerweile 70 km.

Patron: es ist nicht mehr weit...

Roland: das hast du schon vor 40 km gesagt

Patron: Unsinn, du fährst so langsam, darum kommt es dir so weit vor.

Roland: ich fahre zu langsam? Nix, ich kann nicht mehr und schlage jetzt im Wald mein Zelt auf und fahr keinen Meter mehr.

Patron: du bist ja richtig stur und grantig, es ist nicht mehr weit...

Ich sah eine Tankstelle und dachte mir, ich geh jetzt da rein, kauf mir eine eiskalte Coke und frage einfach, wie weit es noch ist.
Natürlich vertraute ich meinem Patron, doch ich will eine Zahl...20 km noch oder 3 km noch. So sind wir Menschen halt: wir wollen wissen, wann das Ende in Sicht ist ;-)
(Anmerkung der Lektorin: ja, kann ich aus tiefster Seele bestätigen ;) )
Ich ging also in die Tankstelle, kaufte meine Coke und fragte die Verkäuferin, wie weit es noch bis Pupping sei. Sie antwortete mir: noch 6 km in diese Richtung....ich strahlte: endlich Land in Sicht.

Patron: du vertraust mir nicht...

Roland: natürlich mache ich das- aber diese Frau gab mir ein genaues Ziel

Patron: das habe ich dir auch gegeben

Roland: lach...ja, hast du..."nicht mehr weit"....

Patron: und lag ich falsch?

Roland: nein, aber mit Zahlen habt ihr es wohl nicht so in der geistigen Welt :-D

Patron: warte ab mein Freund...warte ab.....

Um 19:30 Uhr kam ich endlich in Pupping an.

Fix und foxi war ich von der Anstrengung- und es war erst der erste Tag. Vom Ort selbst wollte ich nicht mehr viel sehen und ich wollte auch kein Zelt mehr aufbauen. Ich hatte im voraus 2 Übernachtungen in einer Pension eingeplant, um mich auch duschen zu können. Am ersten Tag nutzte ich das gleich und bezog Quartier im Gasthof in Pupping.
Meine Füße brannten wie Feuer und die Dusche war göttlich. Ich telefonierte noch mit meiner Frau, damit sie sich keine Sorgen machen musste und fiel um 21 Uhr todmüde ins Bett.
Dienstag, Tag 2
Am nächsten Morgen stand ich um 8 Uhr auf und frühstückte, Ich wollte mir sehr viel Zeit nehmen in Pupping, um alles anzusehen. Den besten Stadtführer hatte ich ja bei mir ;-)

Mein erstes Ziel war die Kapelle, in der mein Patron verstorben ist. Ich war total aufgeregt deswegen- was werde ich fühlen, wenn ich am Ort des Geschehens bin?
Wir kamen zu einem großen Kloster und ich war etwas verwirrt. Mit dem geistigen Auge sah ich eine andere Kirche, viel kleiner. Ich entdeckte ein grünes Schild, auf dem stand: Klosterkirche Pupping, Sterbeort des hl. Wolfgang.
Mir lief es eiskalt den Rücken herunter, ich kann es nur schwer beschreiben, was man dabei fühlt. Hier bin ich also, am Sterbeort meines Patrones.
Ich ging in die Kirche und sah den Wolfgangsaltar und Gemälde von ihm.
Bin wirklich kein Kirchenfan, aber das hat mich beeindruckt.
Ich setzte mich auf eine der Bänke und genoss diesen Augenblick der Ruhe und das Gefühl, das ich hatte...einfach toll.

Patron: Roland, du wirst doch nicht noch ein gläubiger Christ werden und öfters in die Kirche gehen

Roland: Quatsch, hier ist es kühl..

Patron: ah ja...lass uns weitergehen...

Wir gingen wieder heraus und ich schaute nochmals zurück.

Am Rand der Kirche sah ich 2 kleine Ahornschösslinge stehen, die vielleicht 4 oder 5 cm groß waren. Ich entschloss mich, sie mitzunehmen.

Einen wollte ich in Regensburg pflanzen, wo Patrone in der Krypta liegt, den zweiten wollte ich als Erinnerung mit nach Hause nehmen und in den Garten pflanzen.
Nun war es an der Zeit, Patrone's letzten Weg zu fahren.

Nach etwa 1 Stunde Aufenthalt in Pupping setzte ich mich auf das Fahrrad und fuhr los...nach ungefähr 500 Metern sagte Patrone:

Patrone: Roland? Wenn du diesen Weg weiterfährst, wirst du wieder bergauf fahren müssen.

Roland: Wieso, ich dachte wir müssen hier wieder zurück, so wie ich gekommen bin?

Patron: Nein, wir fahren zum Danubius...

Roland: Was ist das denn? Und was soll ich da?

Patron: Du willst sehen, wo ich an Land gegangen bin und von ich meine letzte Reise gemacht habe.

Roland: Ja schon.

Patron: Dann musst du umdrehen und den anderen Weg nehmen.

Roland: Ok.

Ich folgte also Patrone's Anweisung und fuhr eine kleine Strasse hinunter, es ging leicht bergab und ich dachte mir noch: den Weg muss ich wieder hoch strampeln mit dem ganzen Gepäck.

Ich kam an einen Gasthof, der genau an der Donau lag. Der Weg gabelte sich nach links und rechts, Patrone führte mich nach rechts entlang der Donau. Nach ca. 200 Metern erreichte ich eine kleine Kapelle. Es war eine Wolfgangskapelle, die Inschrift lautete:

All hier auf diesem Ort im Jahr

Christi 994 ist der Heilige

Wolfgang krank an das Land

gestiegen, hat sich nach dem Kloster

Pupping begeben, allwo er selig

im Herrn entschlief.

Roland: Hier bist du an Land gegangen, Patrone ?

Patrone: Nein.

Roland: Wie nein, da steht es doch....

Patrone: Ich wollte dir nur diese Kapelle zeigen, die du immer bauen wolltest

Roland: Oh weia, das stimmt, hinten beim alten Blockhaus wollte ich so ein kleines Ding im Garten bauen

Patrone: Ich weiß und wenn du überlegst, sieht deine „in Gedanken gebaute" dieser sehr ähnlich

Roland: Ja, das stimmt, das ist ja der Wahnsinn...zeig mir den Ort in Danubius wo du tatsächlich an Lang gegangen bist.

Patrone: Roland, du bist am Danubius...

Roland: ich dachte Danubius ist der Ort, wo du an Land gegangen bist ?

Patrone: Roland, Danubius ist die Donau.

Roland: Dann sag das doch gleich und wirf nicht mit Fremdwörtern um dich.

Patrone: So hieß sie zu meiner Zeit, das ist Latein.

Roland: Zu deiner Zeit gab es auch keine ...ach, fahren wir weiter...
Nach 5 Minuten meldete sich Patrone wieder:

Patron: Roland, möchtest du auch Ungarn sehen, da war ich auch...

Roland: Was will ich in Ungarn, sag mal Patrone, was ist los mit dir?

Patron: Nichts, ich lenke dich nur und wenn du weiterfährst, kommt du nach Linz, Wien und Budapest.

Roland: (bremst)...du machst mich echt fertig, ich will nach Regensburg, das weißt du doch....

Patron: Also dreh um....

Roland: Wärst du jetzt lebendig, ich würde dich in die Donarizus schubsen...

Patron: Gedanklich hast du es schon gemacht :-D

Roland: Das wird ne Fahrt.....

Nach 500 Metern bremste mich Patron wieder und zeigte mir die tatsächliche Stelle, an der er das Schiff verlassen hatte. Ich sah sie mit meinen eigenen Augen, sah mir das Ufer an usw.

Er gab mir dann ein Sehen mit dem geistigen Auge, nun sah die Landschaft jedoch ganz anders aus, die Donau verlief nicht so gerade und sie war links und rechts mit Büschen und Bäumen bewachsen, die bis ins Wasser reichten. Hier ging er also von Bord und hier wurde er auch wieder an Bord gebracht.

Wie es weiterging,findet ihr.....(lasst euch gedanklich mal führen ;-)